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strategies against violence

Strategien gegen Bullying

Neuartige Präventionsansätze
Workshops für Lehrer

Was ist Bullying?

Unter Bullying versteht man zielgerichtete Gewalt mit Schädigungsintention, die regelmäßig (mindestens 1x pro Woche) und über einen längeren Zeitraum (mehrere Monate) passiert und durch ein Kräfteungleichgewicht (physisch und/oder psychisch)  zwischen dem Opfer und dem/den Täter/n gekennzeichnet ist. Das Opfer ist aus eigener Kraft kaum in der Lage, das Bullying zu beenden und ist deshalb auf Hilfe angewiesen.

 

Was ist kein Bullying?

Einmalige eskalierende Konflikte zwischen Schüler oder auch gleichstarken „Parteien“ sind kein Bullying. Ebenso wenig das  so genannte „Rough and Tumble-Play", ein Kräftemessen bzw. Raufen im Spiel zwischen Freunden oder gleichstarken Jugendlichen. Natürlich muss auch bei eskalierenden Konflikten oder einer Spaßrauferei interveniert werden, wenn es gefährlich wird (z.B. körperlich). Die einzuleitenden Maßnahmen hier unterscheiden sich jedoch grundlegend von denen bei Bullying.

 

Ist Bullying immer mit körperlicher Gewalt verbunden?

Nein, körperliche Attacken wie schlagen, treten, schubsen sind nur eine Form von Bullying. Verbales Bullying (beleidigen, Spitznamen erfinden, etc.) und der systematische Ausschluss aus der sozialen Gruppe (Gerüchte verbreiten, abwenden, etc.) kommen insgesamt sogar häufiger vor als physische Gewalt.

 

Wie weit ist Bullying verbreitet?

In Deutschland sammeln wöchentlich ca. 500.000 Schüler Opfererfahrungen und ebenso viele werden zum Täter – es sind also regelmäßig ca. 1,1 Millionen Schüler in Deutschland von Bullying betroffen (Paulus 2007). Somit ist Bullying die häufigste Gewaltform an deutschen Schulen.

 

Gibt es Bullying nur an Hauptschulen?

Nein, dies ist ein weit verbreiteter Mythos – Bullying gibt es in allen Schulformen in unterschiedlicher Intensität und Häufigkeit. Neben Realschulen, Gesamtschulen, Gymnasien, Berufsschulen und Hauptschulen sind auch schon Grundschulen und sogar Kindergärten von Bullying betroffen.

 

Ist ausser Täter und Opfer noch jemand in Bullying involviert?

Ja, Bullying passiert in relativ stabilen sozialen Gruppen, wie beispielsweise in Schulklassen. Die meisten Schüler einer Klasse nehmen eine bestimmte Rolle
im Bullyinggeschehen ein (gruppendynamische Ansätze). So gibt es aktive oder passive Unterstützer des Täters, Außenstehende die sich nicht einmischen, das Bullying aber durchaus wahrnehmen und auch Schüler die gerne helfen würden. In Bezug auf die Prävention und Intervention von Bullying ist es daher wichtig mit der ganzen Klasse/Gruppe zu arbeiten, um das „System“ zu verändern, anstatt nur auf Opfer und Täter zu fokussieren. Natürlich steht auch hier der Opferschutz an erster Stelle.

 

Kann man etwas gegen Bullying tun?

Ja! Will man etwas gegen Bullying tun, so sollte man sich darüber im Klaren sein, dass man Bullying nur durch langfristige Arbeit mit den Klassen bzw. Betroffenen vorbeugen oder stoppen kann. Punktierte Einzelmaßnahmen können in Einzelfällen nützlich sein und Bullying entgegenwirken; strebt man jedoch eine langfristige Verbesserung an, so muss man regelmäßig und adäquat mit der ganzen Klasse an diesem Thema arbeiten. Sie können sich zu diesem Thema und zu Unterstützungsmaßnahmen gerne mit uns in Verbindung setzen.

 

Was tun wenn Bullying auftritt ?

Dies sind erste Hinweise wie man mit der Situation umgehen kann bzw. sollte:

  • Mit dem Thema offen umgehen – angemessen ansprechen bzw. einen „sicheren Raum“ für die Arbeit am Thema schaffen
  • Das Verhalten ablehnen, nicht die Person (auf den Täter bezogen). „Ich mag dich als Person aber das Verhalten kann ich nicht gutheißen“
  • Auf die Lösung konzentrieren, nicht das Problem in den Mittelpunkt stellen. „Was passiert ist war nicht ok aber wie können wir verhindern, dass es wieder geschieht?“
  • Nichts einleiten dem das Opfer nicht zugestimmt hat (gilt für Lehrer und Eltern)
  • Opferschutz hat oberste Priorität!
  • Gewalttätiges Verhalten zeitnah und adäquat unterbinden (auch sanktionieren); gewaltfreies Verhalten belohnen

Diese Aufzählung ist natürlich nicht erschöpfend, sie gibt jedoch erste Anregungen mit einer Bullying-Situation umzugehen.

 

Was sind die Folgen von Bullying?

Sowohl für Opfer als auch Täter hat Bullying weitreichende Folgen, oft auch bis ins Erwachsenenalter hinein. Opfer entwickeln häufig ein Gefühl der Hilflosigkeit, psychosomatische Beschwerden, Depressionen und haben auch im Erwachsenenalter Probleme, Paarbeziehungen einzugehen. Täter haben eine stark erhöhte Wahrscheinlichkeit im Laufe ihrer Jugendzeit straffällig zu werden, neigen zu risikoreichen Verhaltensweisen und zeigen als Erwachsene eine Gewaltneigung beim Dating.

 

Warum wird ein Kind zum Opfer oder Täter?

Auf diese Frage gibt es keine einfache Antwort, ob ein Kind zum Opfer oder Täter wird hängt viel mehr von einem Zusammenspiel vieler Faktoren ab. Schuldzuweisungen an einzelne dieser Faktoren wie Schule, Schulphilosophie, Schulumfeld, Eltern, Erziehung, familiäre Situation, Verhalten anderer Schüler, Peergruppe, Verhaltensauffälligkeiten etc. sind daher abzulehnen, wenn man Bullying stoppen bzw. vorbeugen will. Vielmehr ist eine positive Kooperation und Kommunikation der Systeme in denen sich die Kinder bewegen (Schule, Eltern, Gleichaltrige) notwendig ebenso wie eine Fokussierung auf die Lösung und nicht auf das Problem.

 

Was ist Cyberbullying?

Unter Cyberbullying versteht man absichtliches Bloßstellen, Beleidigen, Bedrohen oder Belästigen mithilfe neuer Kommunikationstechnologie wie Internet (Instant Messenger, soziale Netzwerke, etc.) oder Handy (SMS, Anrufe, etc.). Die Angreifer können hier anonym bleiben und das Opfer immer und überall erreichen (z.B. im eigenen Kinderzimmer). Cyberbullying endet somit nicht in der Schule, sondern erreicht das Opfer auch im Privatleben.

 

Gibt es empfehlenswerte Literatur zum Thema Bullying?

Ja – wir würden folgende Bücher empfehlen:

Jannan, M. (2010). Das Anti-Mobbing-Buch. Weinheim: Beltz Praxis.

Scheithauer, H., Hayer, T. & Petermann, F. (2003). Bullying unter Schülern. Erscheinungsformen, Risikobedingungen und Interventionskonzepte. Göttingen: Hogrefe.

Olweus, D. (2006). Gewalt in der Schule. Bern: Huber.

 

Mehr zum Thema Bullying?

Sie können sich gerne jederzeit mit uns in Verbindung setzen, um mehr über Bullying und unsere Angebote zu erfahren.